8
Mrz
2014

Filmentwicklung analog – richtig fixieren leicht gemacht

Als ich fast zeitgleich mit der Entstehung dieses Blogs angefangen habe, analog zu fotografieren, war die Vorstellung die, den analogen „Workflow“ dazu zu nutzen, herunterzufahren und sich gedanklich voll und ganz der Fotografie hinzugeben. Ich wollte mich einfach mehr Richtung bewusstes Fotografieren bewegen und nicht erst zig Bilder mit der digitalen Spiegelreflexkamera zu machen, um dann zu schauen, welches am besten aussieht. Sicherlich gibt es Einsatzbereiche, bei denen man gar nicht anders agieren kann bzw. möchte, z.B. bei Hochzeitsreportagen, Street Photography etc., oder auch, weil es der zeitliche Aspekt nicht erlaubt.

Dennoch bin ich immer mehr darauf aus, den deutlich höheren Aufwand zu betreiben und versucht, mir gezielt mehr Zeit für die Fotografie zu nehmen. Weg vom typischen Geknipse halt und mehr hin zur bewussten Fotografie. Umso schöner, wenn man als Ergebnis dann das fertig entwickelte Negativ in der Hand hält und es sich größtenteils mit dem Bild vergleichen lässt, das man im Kopf hatte, bevor man den Auslöser gedrückt hat.

Die Herausforderung

Und genau da lag bis vor kurzem das Problem, zumindest was die finalen Steps der analogen Filmentwicklung bei Schwarzweißfilmen betrifft.
Im „Normalfall“ setze ich beim Entwickeln und Fixieren bisher auf die Erfahrungswerte von Seiten wie Devchart und Filmdev. Als Entwickler verwendete ich bisher ausschließlich den HC110 von Kodak und zum Fixieren den SFIX-6 von Spürsinn. Eine Kombination, die sich bisher auch bestens bewährt hat, zumindest beim Entwickeln der ersten Filme, welche allerdings allesamt Rollei Pan 25-Filme waren. Hier ein Beispiel aus der Fischerau in Freiburg.

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Rolei Pan 25 auf Bronica Zenza

Begeistert von der Einfachheit der Schwarzweiß-Entwicklung dauerte es nicht lange und legendäre Filmtypen wie der Ilford HP5plus, Kodak Tri-X oder Fuji Acros mussten her. Wie man jedoch auf dem nächsten Bild gut erkennt, ist das Ergebnis nach dem Scannen mehr verwaschen, denn wie erwartet gestochen scharf. Nun mag das beim oberen der zwei Bilder an den Wetterbedingungen liegen und zudem lässt sich analoger Film generell nicht mit der Schärfe eines digitalen 36-Megapixel-Bildes vergleichen, doch sind die Unterschiede der Detailtiefe schon klar zu erkennen.

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Kodak Tri-X 400 auf Olympus OM2

Die Lösung

Nach langem Hin und Her und mehreren ruinierten Kleinbild, Mittel- und Großformatfilmen wurde mir schließlich klar, dass das Problem beim Fixierer liegen muss. Denn sämtliche Filme sahen seltsam milchig aus und wirkten nicht richtig fixiert. An die vorgegebenen Zeiten der Fixierung hatte ich mich ja steht’s gehalten. Also nichts wie den Fixierer neu anmischen. Und siehe da – nichts!!

Wieder einen kaputten Film später wurde mir dann ziemlich schnell warm in der Birne. Es gibt einfach auch zu viele zusätzliche Fehlerquellen, die sich nicht hundertprozentig ausschließen lassen. Da sind zum Beispiel falsches Scannen der Filme, falsche Entwicklung, falsches Mischverhältnis der Chemikalien usw. Auch Recherchen im Netz brachten mir keine eindeutigen Erkenntnisse.

Was mir schließlich weitergeholfen hat, war mir Rat von der Firma Spürsinn einzuholen, da es sich ja um deren Entwickler handelt und die sich auch schon bei meiner ersten Bestellung sehr intensiv um meine Bedürfnisse gekümmert haben. Wirklich unglaublich, deren Kompetenz und Service. Sehr zu empfehlen! Und siehe da, der Fehler liegt tatsächlich in der Länge der Fixierung. Denn deren eigener Fixierer SFIX-6, den ich benutze, ist ein sehr zärtlicher Kamerad :-). Fixiert unheimlich langsam und mit einer Seelenruhe. Deshalb sind die Negative auch nicht richtig „ausfixiert“ bzw. zu Ende fixiert (wusste ich´s doch). Zudem habe ich mir sagen lassen, dass die gesamte Chemie in der analogen Fotografie längst nicht mehr so aggressiv ist wie noch vor Jahren. Soll heißen, man kann die Negative gut und gerne stundenlang im Fixierer liegen lassen. Zumindest was den SFIX-6 angeht. Laut den Leuten von Spürsinn wurde dies bereits aufs Extremste getestet und erst ab einer Fixierzeit von einer (!) Woche wurde der Film angegriffen. Von wegen Klärzeit im Minutentakt ermitteln und anschließend die Fixierzeit berechnen. Da diese Gemächlichkeit des SFIX-6  die Fotografen aber wohl reihenweise um die Geduld gebracht hat, wurde inzwischen reagiert und der SFIX-6.5 herausgebracht, der etwas entschlossener zur Sache gehen soll. Ich bin ja mal gespannt.

Unten stehend nochmals das Headerbild, dessen Film ich einfach ein zweites Mal für eine Stunde in den Fixierer eingelegt habe. Allerdings ist diese Vorgehensweise nicht sonderlich empfehlenswert, da der Film sich danach nochmals sehr stark wellt, besonders wenn er schon geschnitten wurde. Zudem  wirken die Negative auf mich empfindlicher wie bei einmaliger Fixierung, ja sogar leicht klebrig (sehr gut erkennbar an den Papierresten, die am Film kleben blieben, da die Filme beim Pressen wohl doch noch nicht ganz trocken waren).

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Ilford HP5plus auf Bronica Zenza

Die Erkenntnis

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich nun verstehen kann, warum sich ein Großteil der analog fotografierenden Leute den Zeitaufwand nicht antut, sondern die Filme einfach ins Labor bringt. Von wegen „herunterfahren“. Für mich ist es jedoch wieder einmal wunderbar zu erkennen, welcher Entwicklungsprozess im Zusammenhang mit der analogen Fotografie steht. Und das nicht nur in Bezug auf den Film.

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